Nora Bossong - "Schutzzone" - Lesung und Gespräch

Moderation: Samuel Hamen

DE: Die mehrfach ausgezeichnete Autorin Nora Bossong kommt am 28. Januar ins Institut Pierre Werner um ihr neustes Werk "Schutzzone", welches für den Deutschen Buchpreis 2019 nominiert wurde, vorzustellen.

Was bedeuten Vertrauen und Verantwortung? Wie greifen Schutz und Herrschaft ineinander? Wie verhält sich Zeugenschaft zur Wahrheit? Und wer sitzt darüber zu Gericht? Hellsichtig und teilnahmsvoll geht Nora Bossong in ihrem virtuosen Roman diesen Fragen nach.

Sie erzählt die Geschichte von Mira, die bei der UN in New York und Burundi, und für das Büro der Vereinten Nationen in Genf arbeitet. Während sie tagsüber Berichte über Krisenregionen und Friedensmaßnahmen schreibt, eilt sie abends durch die Gänge der Luxushotels, um zwischen verfeindeten Staatsvertretern zu vermitteln. Bei einem Empfang begegnet sie Milan wieder, in dessen Familie sie nach der Trennung ihrer Eltern im Frühjahr 1994 einige Monate gelebt hat. Die Erinnerungen an diese Zeit, aber auch Milans unentschiedene Haltung zwischen gesuchter Nähe und schroffer Zurückweisung überrumpeln und faszinieren sie zugleich. Als ihre Rolle bei der Aufarbeitung des Völkermords in Burundi hinterfragt wird, gerät auch Miras Souveränität ins Wanken, ihr Glaube, sie könne von außen eingreifen, ohne selbst schuldig zu werden.

Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, studierte in Berlin, Leipzig und Rom Philosophie und Komparatistik. Seit 2001 veröffentlicht sie in Literaturzeitschriften und Anthologien, schreibt Gedichte und Artikel für die Politikseiten der ZEIT und bloggt. 2006 erschien ihr erster Roman Gegend über eine Patchworkfamilie, im Jahr darauf ihr erster Lyrikband Reglose Jagd. Nora Bossong wurde unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis, dem Kunstpreis Berlin und dem Roswitha-Preis ausgezeichnet. Sie beschäftigt sich immer wieder mit gesellschaftlich aktuellen und brisanten Themen,so etwa in Schutzzone mit dem Völkermord in Burundi. Letzteres wurde für den Deutschen Buchpreis 2019 nominiert.

Samuel Hamen, geboren 1988 in Luxemburg-Stadt, studierte Germanistik an der Universität Heidelberg. Zurzeit schreibt er ebendort an seiner Promotion zum Lyriker Thomas Kling. Er betreibt den Literaturblog "ltrtr.de" und arbeitet als freier Redakteur u. a. für "Zeit Online", "d'Lëtzebuerger Land", "tell-review.de" sowie Radio 100,7. Schwerpunkt seiner journalistischen wie wissenschaftlichen Arbeit ist die Gegenwartsliteratur. 2016 wurde er mit dem Hans-Bernhard-Schiff-Preis ausgezeichnet. Für seinen ersten Roman "V wéi vreckt, w wéi Vitess" (erschienen im Februar 2018 bei Editions Binsfeld) wurde er 2019 für den Prix Servais nominiert. Dieser Tage erscheint sein Erzählband "Zeeechen" (mit Illustrationen von Marc Angel). Er ist zudem Gewinner des luxemburgischen Wettbewerbs « concours littéraire national" 2019.

Organisation: Institut Pierre Werner / Soutien: neimënster