Nos coups de coeur

 

Esther Kinsky

Lesung: ´Fremdsprechen´ und ´Hain´

DE: Die mehrfach ausgezeichnete Autorin und Übersetzerin Esther Kinsky kommt am 24. September ins Institut Pierre Werner um zwei ihrer Werke, "Fremdsprechen" (2013) und "Hain" (2018), vorzustellen. In "Fremdsprechen" schreibt Esther Kinsky in essayistisch leichter und anregender Weise über die Kunst des Übersetzens. Ausgehend von eigenen Erfahrungen beschreibt sie das Verhältnis zwischen Namen und Dingen und die Veränderungen, die sich im Prozess des Übersetzens in diesem Verhältnis vollziehen. Esther Kinsky fragt, was in dem Raum geschieht, der sich zwischen den beiden Namen in der Herkunfts- und Zielsprache auftut, während der Übersetzer die Bild- und Klangwelt des zu übersetzenden Textes "fremdspricht". Somit geht sie einer Frage nach, die auch auf die besondere Sprachenvielfalt in Luxemburg übertragen werden kann.

Mit der "Fremde" befasst sich Esther Kinsky auch in ihrem 2018 erschienen und mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten Roman "Hain". Die Ich-Erzählerin unternimmt in Kinskys Geländeroman drei Reisen durch Italien. Diese führen sie jedoch nicht an die bekannten, im Kunstführer verzeichneten Orte, wie Rom, Florenz oder Siena, sondern in abseitige Landstriche und Gegenden. Esther Kinskys Streifzüge und Wanderungen - im Gedächtnis ebenso wie gehend oder fahrend in der Gegenwart - sind Italienische Reisen eigener Art. Sie erkunden mit allen Sinnen äußeres Terrain und führen doch ins Innere, zu Abbrüchen der Trauer und des Schmerzes und zu Inseln des Trostes. Esther Kinsky wird aus ihren Werken vorlesen und diese mit dem Literaturvermittler Jérôme Jaminet diskutieren.

Esther Kinsky, geboren 1956 in Engelskirchen, arbeitet als Übersetzerin und Autorin. Seit 1986 ist sie als Übersetzerin für polnische, russische und englische Literatur tätig. 2011 wird sie für ihre Arbeit als Übersetzerin mit dem Karl-Dedecius-Preis ausgezeichnet und 2018 erhält sie den Internationalen Hermann-Hesse-Preis. Nachdem sie zuerst Kinderbücher verfasst, veröffentlicht sie 2009 ihren ersten Roman "Sommerfrische" für welchen sie mit dem Paul-Celan-Preis prämiert wird. Den deutsch-französischen Franz-Hessel-Preis, der für die Vertiefung des literarischen und intellektuellen Dialogs zwischen Deutschland und Frankreich steht, erhält sie 2014 gemeinsam mit der französischen Schriftstellerin Christine Montalbetti. Für ihren letzten Roman "Hain" wird sie 2018 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Wiederkehrende Themen ihrer Arbeit sind die Erfassbarkeit der Wahrnehmung durch Sprache und die damit verbundenen Erinnerungsprozesse, vor allem im Kontext von Fremde.

Jérôme Jaminet, geboren 1979, lebt als Lehrer, Literaturvermittler und Literaturkritiker in Luxemburg. Er studierte Philosophie und deutsche Literatur an der Universität Trier. Von 2014 bis 2017 leitete er die wöchentliche Literatursendung Book Look auf Eldoradio. Seit 2018 ist er verantwortlich für die Literaturrubrik LesBar im Lëtzebuerger Journal. Als freier Literaturkritiker arbeitet er unter anderem für SWR2, Spiegel Online, den Standard und die Berliner Tageszeitung.

Organisation: Institut Pierre Werner / Soutien: neimënster

Esther Kinsky, Jérôme Jaminet