Ursula Krechel: Geisterbahn

Lesung und Gespräch

DE: Die Autorin Ursula Krechel ist zu Gast am Institut Pierre Werner und wird aus ihrem Roman Geisterbahn (Jung und Jung, 2018) lesen. Im Anschluss an die Lesung unterhält sie sich mit Germaine Goetzinger.

Fast ein Jahrhundert umspannt der Bogen dieses Romans, mit dem Ursula Krechel fortsetzt, was sie, vielfach ausgezeichnet und gefeiert, mit Shanghai fern von wo, und Landgericht begonnen hat. Geisterbahn erzählt die Geschichte einer deutschen Familie, der Dorns. Als Sinti sind sie infolge der mörderischen Politik des NS-Regimes organisierter Willkür ausgesetzt: Sterilisation, Verschleppung, Zwangsarbeit. Am Ende des Krieges, der weitgehend bruchlos in den Anfang der Bundesrepublik übergeht, haben sie den Großteil ihrer Familie, ihre Existenzgrundlage, jedes Vertrauen in Nachbarn und Institutionen verloren. Anna, das jüngste der Kinder, sitzt mit anderen Kindern in einer Klasse. Wer wie überlebt hat, aus Zufall oder durch Geschick, danach fragt keiner. Sie teilen vieles, nur nicht die Geister der Vergangenheit. Mit großer Kunstfertigkeit und sprachlicher Eleganz erzählt Ursula Krechel davon, wie sich Geschichte, auch die des Großherzogtums Luxemburg während der deutschen Besatzung, wo sich ein nicht unerheblicher Teil des Romans abspielt, in den Brüchen und Verheerungen spiegelt, die den Lebensgeschichten einzelner eingeschrieben sind. Auf einzigartige Weise schafft sie eine atmosphärische Dichte, in der vermeintlich Vergangenes auf bewegende und bedrängende Weise gegenwärtig wird.

Organisation: Institut Pierre Werner et Centre National de Littérature / Soutien: neimënster