Mit der Welt in Resonanz treten

Gespräch mit Hartmut Rosa

DE: Wie werden wir von außen beeinflusst? Welche Verbindung haben wir mit der Außenwelt? Um diese Frage zu beantworten, hat der deutsche Soziologe Hartmut Rosa das Konzept der Resonanz entwickelt.

`Der Begriff bezieht sich auf die Beziehung, die wir zu dem haben, was uns umgibt, sei es der Mensch oder die Natur. Ein Lehrer, der einen aufschlussreichen Unterricht hält, geht bei seiner Klasse in der Regel in Resonanz. Genauso wie ein neugeborenes Baby, das seine Eltern aufmerksam anschaut. Kurz gesagt, es geht darum, einen unsichtbaren und unerwarteten Dialog zu akzeptieren. Mit Einzelpersonen befinden wir uns in horizontaler Resonanz, mit der Natur in vertikaler Resonanz. Sie geht über uns hinaus und geht uns voraus. Die Betrachtung der Natur, die Auseinandersetzung mit ihr, wird so zu einem Schutz gegen den Tumult unserer Gesellschaft. Eine Möglichkeit des unendlichen Austauschs, wenn wir uns nur darum bemühen.` Marie Robert, französische Philosophin über Hartmut Rosa

Ein neues Echo, das dem Konzept der Resonanz zugeordnet wird, um sich die Welt (wieder) anzueignen, während sich durch die Pandemie unsere Beziehung zur physischen Nähe, zu anderen und zu uns selbst verändert hat.

Im Gespräch mit der stellvertretenden Chefredakteurin von RTL Télé Lëtzebuerg Caroline Mart erläutert Hartmut Rosa die Resonanztheorie. So ist Resonanz für ihn auch einer der drei Bestandteile der Spätmoderne neben Beschleunigung und Steigerung. Der zu spürende Drang nach Optimierung sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kultur aber auch der Psyche sind Aspekte der aktuellen Gesellschaft, die auch an diesem Abend thematisiert werden. Was ist normal und was ist bereits krankhaft?

Zu dieser Thematik erscheinen demnächst zwei Publikationen von und mit Hartmut Rosa: Reckwitz, Andreas & Hartmut Rosa (2021): Spätmoderne in der Krise. Was leistet die Gesellschaftstheorie. Suhrkamp.

Vera King, Benigna Gerisch, Hartmut Rosa (Hrsg.) (2021): Lost in Perfection. Zur Optimierung von Gesellschaft und Psyche. Suhrkamp.

Hartmut Rosa, geboren 1965 in Lörrach, ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Direktor des Max-Weber-Kollegs in Erfurt. Für seine Werke erhielt er zahlreiche Preise, zuletzt den Tractatus-Essaypreis 2016 und den Erich-Fromm-Preis 2018. Für `Le Nouveau Magazine littéraire` gehörte er 2018 zu den `35 Denkern, die die Welt beeinflussen`. Zuletzt erschienen u. a.: `Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne` (2005), `Beschleunigung und Entfremdung - Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit` (2013), `Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung` (2016) und `Unverfügbarkeit` (2018).

Caroline Mart hat 1985, nach ihrem Studium an der Freien Universität Brüssel, bei RTL Luxemburg als Radiomoderatorin begonnen und anschließend 13 Jahre lang die Abendnachrichten im Fernsehen sowie eine Kultursendung moderiert.  Seit 2007 ist sie stellvertretende Chefredakteurin bei RTL Télé Lëtzebuerg, aktuell Informationschefin und verantwortliche Moderatorin der Talkshow Kloertext.

Organisation: Institut Pierre Werner / Soutien: neimënster