Luxemburgs Exilregierung und die Entdeckung des Demokratiebegriffs

André Linden im Gespräch mit Prof. Dr. Sonja Kmec

DE: In seinem Buch "Luxemburgs Exilregierung und die Entdeckung des Demokratiebegriffs", das im April 2021 als Kooperation von capybarabooks und Editions forum erscheint, zeigt André Linden die allmähliche Herausbildung des Begriffs 'Demokratie' als Leitwert in den Stellungnahmen der luxemburgischen Exilregierung während des Zweiten Weltkriegs.

Zu Beginn, nach dem Einmarsch der NS-Truppen in Luxemburg, waren es andere Leitwerte, auf die sich die Exilregierung in ihren Verlautbarungen bezog: Es ging um Freiheit, Unabhängigkeit, um nationale Souveränität - von Demokratie war nicht die Rede. Die Bindung an die Alliierten führte im Laufe des Jahres 1941 aber dazu, dass sich nach und nach auch der Begriff 'Demokratie' durchsetzen konnte. Im Geiste der Atlantik-Charta, die für "alle Menschen überall" Geltung beanspruchte, wurden sozialpolitische Errungenschaften aus Luxemburgs Zwischenkriegszeit als Beleg für eine demokratische Tradition herangezogen. Mit Blick auf die Nachkriegsordnung hob man das Existenzrecht Luxemburgs und die demokratische Gleichberechtigung kleiner Staaten hervor. Der Vergleich von Großherzogin Charlotte als demokratischer Herrscherin mit der mittelalterlichen Fürstin Ermesinde sollte dem luxemburgischen Demokratie-Narrativ darüber hinaus historische Tiefe verleihen.

Der Autor zeigt in seinem quellengesättigten Buch, wie die Exilregierung den Demokratiebegriff als eine wirksame Kategorie für Luxemburgs propagandistische Selbstbehauptung entdeckte. Das Exil wurde so zum Lernort für Demokratie. André Linden stellt sein Buch im Gespräch mit der Historikerin Prof. Dr. Sonja Kmec vor. Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt.

Organisation: Institut Pierre Werner / Coopératon: capybarabooks et Editions forum / Soutien: Fondation CANDIDA et neimënster